Wesel – 'Wind bremst Brücken-Abriss' – RP Online vom 06.12.2011

URL: http://www.rp-online.de/niederrhein-nord/wesel/nachrichten/wind-bremst-bruecken-abriss-1.2628938

Rheinische Post Online vom 06.12.2011

Wesel

Wind bremst Brücken-Abriss

VON FRITZ SCHUBERT - zuletzt aktualisiert: 06.12.2011

Wesel (RP). Die alte Rheinbrücke wartet auf die Demontage. Bevor eine Hälfte zum Weseler Ufer geschoben werden kann, muss alles sitzen. Vorbereitende Arbeiten sind nur bis Windstärke 5 möglich. Aber die Marke wird oft erreicht.

Schon einige Monate klaffen die getrennten Hälften der alten Weseler Rheinbrücke auseinander. In diesen Tagen bieten sie einen besonders bizarren Anblick: Die nach Wesels weisende Fahrbahn steht 50 bis 70 Zentimeter höher in der Luft als ihr Pendant. Wer auf der Baustelle zu tun hat, braucht einen Brückensteg, um von einem Teil auf den anderen zu gelangen. Hintergrund ist der Einbau von Trägern zwischen der Fahrbahn und dem Brückenpfeiler nahe dem Weseler Ufer. Die roten Elemente, vier Stück an der Zahl, sind vom Radweg der neuen Rheinbrücke aus zu erkennen. Auf diesen Trägern, so Franz-Josef Scheuer vom Landesbetrieb Straßen, soll später der sogenannte Verschub laufen. Ob dies noch in diesem Jahr beginnen kann, hängt vom Wetter ab. Und zwar in erster Linie vom Wind. Der spielte Samstag zum Beispiel nicht mit. Die vorbereitenden Arbeiten mussten gestoppt werden.

"So noch nie gemacht worden"

Bis Windstärke 5 kann an der alten Weseler Rheinbrücke derzeit gearbeitet werden. Die für das Schieben eingebauten Träger müssen ausgerichtet und miteinander verschraubt werden. Das geht nur, wenn die Gesamtkonstruktion gelockert wird, was aber gefahrlos nur bei wenig Wind möglich ist. Es wird viel ausprobiert, aber nichts dem Zufall überlassen. "Wir kommen jetzt an einen Punkt, an dem wir nicht auf Erfahrungswerte zurückgreifen können. Denn ein Abriss, wie wir ihn jetzt vorhaben, ist so noch nie gemacht worden", sagt Franz-Josef Scheuer. Wie mehrfach berichtet, soll die Berufsschifffahrt nicht behindert werden. Deshalb sollen die Brückenhälften jeweils zu den Ufern geschoben und dort demontiert werden. 12,50 Meter lang ist ein Fachwerkfeld, das jeweils zum Verschub ansteht.

Scheuer hofft, noch in diesem Jahr, das erste von sechs auf allein Weseler Seite in Bewegung setzen zu können. Zeitdruck sieht er nicht. "Es liegt kein Verkehr drauf und wir haben keine Termine zu halten", sagt Scheuer. "Wir wollen die Brückenhälften 100-prozentig sicher an Land bringen. Wir möchten bis Ende 2012 fertig werden. Und ich glaube, das schaffen wir auch."

Die Demontage ist mit rund 5,5 Millionen Euro angesetzt. Auftragnehmer ist die Firma Jaeger Umwelt (Bernburg), für die im Augenblick die Firma Weise (Dortmund) den Verschub organisiert. Die Teile des Stahl-Fachwerks müssen später in einer Halle gesandstrahlt werden. Ob die Farbe neben Blei auch Chrom oder weitere Stoffe enthält, die speziell zu entsorgen sind, wird gerade analysiert.

10.1.12 02:14

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